Life Science Meeting erstmals im Livestream

Life Science Meeting live | Wie Düsseldorf an COVID-19 forscht

Coronabedingt fand das Lifescience-Meeting erstmals im Format einer Videokonferenz statt – ein Novum für die Organisatoren und Moderator Dr. Thomas Heck, Geschäftsführer Life Science Center Düsseldorf.

„Das Livestream-Meeting war ein guter Start in ein neues Format, um auch in schwierigen Zeiten den Austausch aufrecht zu erhalten und positive Impulse zu setzen“, sagte Dr. Thomas Heck.

Partner des regionalen Netzwerks LifeScienceNet sind das Life Science Center Düsseldorf, die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Düsseldorf, die Industrie und Handelskammer zu DüsseldorfBioRiver – Life Science im Rheinland e. V. sowie das Innovationsnetzwerk DUS+ME innovativ.

COVID-19 Diagnostik von Qiagen und Seegene

Die Unternehmen Qiagen und Seegene stellten ihre Aktivitäten in der Covid-19-Diagnostik eindrucksvoll dar. So hat das Hildener Unternehmen Qiagen die Produktion von Sars-CoV-2-Tests für Rachenabstriche innerhalb von vier Monaten von durchschnittlich 400.000 pro Monat in 2019 auf 8,4 Millionen Tests im April hochgefahren. Bis Ende Juni sollen zehn Millionen RNA-Tests realisiert werden, bis Ende des Jahres sogar monatlich 20 Millionen Tests produziert werden.

Für einen Multi-Testkit, der 21 verschiedene Erreger von Atemwegserkrankungen in nur einer Stunde erkennen kann, darunter auch Sars-CoV-2, hat das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit Zulassungen in Deutschland, EU und USA bekommen. Zum Schutz der Belegschaft bietet das Unternehmen übrigens allen Mitarbeitenden Corona-Tests an.

„Alle Zulieferer und Partnerunterunternehmen haben unglaublich engagiert mitgezogen, damit dies möglich wurde und wir unseren Beitrag zur Bekämpfung der Covid-Pandemie leisten konnten und können“, sagte Dr. Bettina Möckel, Vice President Corporate Business Development Qiagen GmbH, Hilden, sowie Vorstandmitglied bei Bioriver. In Corona Zeiten hat Qiagen seine gesamte Produktion um das 50fache im Vergleich zu vor Corona gesteigert.

Auch Seegene Germany GmbH, die deutsche Niederlassung eines koreanischen Unternehmens mit Sitz in Düsseldorf, hat innerhalb von kürzester Zeit auf die Covid-Pandemie reagiert. Nach nur drei Wochen konnte Seegene einen neuen Gentest mit drei Targets für Sars-CoV-2 zulassen. Schon im März verkaufte das Unternehmen wöchentlich 50.000 Test-Kits, im April bereits 100.000 Test-Kits. Seegene ist auf die Diagnostik von mehreren Erregern gleichzeitig spezialisiert. Mit abnehmenden Infektionszahlen geht die Frequenz der Tests nun zurück, doch gerade für Intensivpatienten oder multipel erkrankte Menschen ist der Test in jedem Fall segensreich.

„Keiner von uns hätte sich träumen lassen, dass es möglich ist, innerhalb von drei Wochen einen neuen Labortest auf den Markt zu bringen“, erklärte Dr. Markus Seifert, Sales Manager Germany, Seegene Germany GmbH, Düsseldorf.

Sowohl Seegene als auch Qiagen setzen ihre Forschungsaktivitäten fort, um weitere neue Tests und auch IT-Lösungen zur Bekämpfung der Covid-Pandemie zu entwickeln.

Aktueller Stand der Forschungsergebnisse aus dem Universitätsklinikum Düsseldorf

Wo stehen wir aus wissenschaftlicher Sicht bei Diagnostik, Therapie, Prävention bei Covid-19 und vor allem bei der so notwendigen Impfstoffentwicklung? Diese Fragen sowie den aktuellen Stand der Forschungsergebnisse aus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beantwortete Prof. Dr. med. Jörg Timm, Leiter Institut für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Prodekan für Forschung der Medizinischen Fakultät.

Für die rund 40 Teilnehmer des 1. LifeScience-Meetings online waren interessante, vor allem wissenschaftlich gesicherte neue Erkenntnisse dabei. So habe das Virus verschiedene Angriffspunkte im menschlichen Körper, so dass es unwahrscheinlich sei, dass ein einziges Medikament die Lösung in der Behandlung von Covid-19-Patienten sein könnte. Interessant war auch, dass nachweislich Sars-CoV-2-Viren bei unterschiedlichen Infizierten unterschiedliche genetische Merkmale haben und darüber auch Infektionsketten nachgewiesen werden könnten. Die Düsseldorfer Virologen konnten zeigen, dass ein Covid-Patient mit einer bestimmten Virusart, exakt zwei Pflegekräfte mit demselben Virus angesteckt hatte.

Beim Impfstoff sah Prof. Timm es als sinnvoll an, dass eine Impfung zwei Komponenten des Immunsystems adressieren sollte, die Bildung von zwei spezifischen Antikörpern und die T-Zell-Antwort. In der Diagnostik könnte der nächste Schritt der Einsatz von Laborrobotern sein, um einfach noch größere Mengen an Tests in noch kürzerer Zeit durchführen zu können. Wieviel Schutz Mund-Nasen-Masken tatsächlich bieten und welche Rolle Kinder in der Übertragung von Covid-19 spielen ist nach Meinung des Virologen noch unklar. Hier führt die das Institut für Virologie von Prof. Timm in Kooperation mit dem Familienministerium Nordrhein-Westfalen und der Stadt Düsseldorf gerade eine klinische Modellstudie bei 5000 Kindern und Kita-Mitarbeitenden durch.

Fazit

Die Covid-19-Pandemie macht Prozesse und Entwicklungen in einer Schnelligkeit möglich, die vorher selbst die kühnsten Visionäre nicht für machbar hielten und auf jeden Fall wesentlich länger gedauert hätten. Beispielhaft haben diese drei Institutionen aus dem Düsseldorfer LifeScience-Netzwerk gezeigt, was jetzt möglich ist, weil der Wille da ist, gemeinsam die Pandemie zu bekämpfen und in naher Zukunft beherrschbar zu machen.

Antje Kassel, Cassel Communications

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